Hello again ihr Lieben 😀 Mal ein bisschen auf Howard Carpendale machen hier… ohje.
Heute bin ich auf den Tag genau 3 Monate in Amerika! Ein viertel Jahr, 12 Wochen, 93 Tage oder auch 2232 Stunden, 133920 Minuten und 8035200 Sekunden… Okay, genug Zahlen!
Aber ist es nicht der reine Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht? Es war doch gerade erst Silvester (oder Tanja?), meine Abschlussprüfungen von der Ausbildung waren auch erst gefühlt vorgestern und ist der Blitzeinschlag in unser Flugzeug wirklich auch schon 3 Monate her? Ich werd alt, Hilfe!
Gelernt hab ich in dieser Zeit schon ziemlich viel. Mal von ein paar Englischvokabeln, wie zum Beispiel „Wackadoodle“, abgesehen, weiß ich jetzt, dass mir ein Jahr hier völlig ausreicht. Am Anfang dachte ich mir immer noch, dass es bestimmt blöd wird, nicht verlängern zu können (aus Gründen), aber mittlerweile bin ich sehr froh, diese Wahl eh nicht zu haben. Ich freue mich jetzt schon auf den Rückflug (nicht nur, weil ich gern fliege) & wenn ich nicht ein paar Pläne hier hätte, wer weiß ob ich dann überhaupt ein ganzes Jahr bleiben würde. Die Mentalität hier ist in manchen Dingen sicher angenehmer, als die deutsche, aber in einigen dann eben doch nicht. Das Lied „Das zweite Gesicht“ von Peter Fox ist praktisch der Soundtrack meines Lebens hier geworden, was ich an dieser Stelle mal so stehen lassen möchte.
Die Stadt New York ist aber sicher meine Zeit wert. Ich liebe es dort zu sein & finde es immer noch schade, nicht in Brooklyn leben zu können. Die Vielfalten dort sind einfach der reinste Wahnsinn, ich liebe es so sehr im Central Park zu sitzen und einfach die Leute zu beobachten. Sei es der weirdo Rollschuhfahrer mit gelbem Stirnband oder das süße Kind mit Glitzerstiefeln bis zum Knie. Es wird dort einfach nie langweilig. Aber trotzdem fehlt mir zum Beispiel das im Vergleich sicher kleine Berlin tierisch & ist ein Grund dafür, dass ich nie auf Dauer hierbleiben wollen würde.
Und könnt ihr euch eigentlich vorstellen, wie anstrengend es ist, nicht mit seinen Freunden einfach in irgendeine Bar gehen zu können, nur weil sie nicht 21 sind? Die Amerikaner sind so seltsam. Sie dürfen in Florida mit 15 Auto fahren, aber mit 18 nicht mal eine Bar (oder ähnliches) auch nur betreten. Das soll jemand verstehen!
Von den Preisen im Supermarkt fang‘ ich gar nicht erst an. Wer gibt schon nicht gern $10 für eine Wassermelone aus. Plus Steuern natürlich, die man sich immer mühevoll ungefähr ausrechnen muss. Ich weiß immer noch nicht, wann ich wo wie viele Prozente bezahle. Und auch meine Gastfamilie kann es mir nicht erklären, weil sie es selbst nicht so ganz genau wissen.
Wenn ich wieder in Deutschland bin, dann werd ich wohl wochenlang nur Soße essen. Soße kennen sie hier nämlich nicht. Über die ohne Salz gekochten Nudeln (die es an gefühlt 7 Tagen pro Woche gibt) wird einfach ein Haufen Käse drüber geschüttet, gleich neben dem Brokkoli und dem Hühnchen. Alles trocken natürlich. Eventuell wird manches noch in Ketchup ertränkt, aber da halte ich mich raus. Und bitte erwähnt nicht das Wort „Meatballs“… Ich bin seit 3 Monaten hier und die Kinder haben in der Zeit sicherlich schon 300 Meatballs gegessen. Einfach nicht erwähnen.
Was ich mit dieser kleinen Ausführung hier aber eigentlich zum Ausdruck bringen will, ist, dass ich diese Erfahrung eigentlich doch nicht missen möchte. Einfach aus dem Grund, dass man zu schätzen lernt, was für ein Leben man vorher hatte. Zumindest geht es mir so! Ich hätte nie gedacht, dass mir Deutschland fehlen wird. Aber doch, das tut es. Also schlage ich 2 Fliegen mit einer Klappe! Ich sammel Erfahrungen hier in Amerika, weiß aber gleichzeitig, dass Deutschland eigentlich gar nicht so blöd ist. Und dass ich mich darauf freuen kann, zurück zu kommen.
Auch wenn ich in dieser Zeit hier leider feststellen muss, dass Freunde nicht immer gleich Freunde sind. Manche von euch melden sich so oft bei mir, dass ich denke, in euch Freunde für’s Leben gefunden zu haben. (Namen muss ich nicht erwähnen, ihr wisst es dass ihr gemeint seid, oder eben nicht. ♥) Andere wiederum melden sich überhaupt nicht & da mache ich mir dann schon so meine Gedanken drüber. Aber mehr will ich dazu jetzt auch nicht sagen. Ich weiß, dass es nicht nur mir so ergeht und dass das zu dieser ganzen Erfahrung wohl oder übel dazu gehört.
Die kleinen Tiefpunkte während meiner Zeit hier überbrücke ich immer wieder mit der Vorfreude, auf alles, was noch kommt. Zum Beispiel das Justin Timberlake Konzert nächsten Monat! Oder der Urlaub auf Hawaii im August. Oder der Besuch von meinen Eltern (ständig sag ich, wenn ich in der Stadt bin: „Ich freu mich schon so drauf das alles bald meinen Eltern zeigen zu können!“ 🙂 ). Oder das Wochenende in Washington DC. Und ein Wochenende in Boston. Und eventuell Florida. Und meinen Reisemonat, den ich hoffentlich in Californien & Nevada verbringen werde. Und dann den Flug nach Hause & euch alle wieder in die Arme schließen zu können, vor allem den kleinen Spatz, den ich dann zum ersten Mal sehen werde. Das alles sind noch 9 Monate, in denen ich sicher oft über die Amerikaner schimpfen werde. Aber in dieser Zeit werde ich eben auch noch eine Menge Spaß haben, sei es mit den tollen Menschen, die ich bereits kennengelernt habe, oder den anderen tollen Menschen, die noch kommen werden. Und all das ist es doch, was dieses Jahr dann doch grandios macht. Die Erlebnisse hier, die man nicht mehr vergessen wird.
Wie viele können schon von sich behaupten, so viel (vor allem Neues) in gerade mal einem Jahr erlebt und kennengelernt zu haben?

Also ihr seht, liebe Großeltern, ihr braucht keine Angst haben, dass ich nicht wiederkomme. Spätestens im April könnt ihr mir wieder sagen, wie groß ich geworden bin.

PS: ich war gestern bei der Post und hab mal wieder ein bisschen was abgeschickt. 🙂

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